[2007-02-27]

Ein wunderschönes Stück Österreich ...

[neuer Beitrag / 1 Beitrag] wien  gemein ]

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wenn in österreich eine bank überfallen wird und dabei geiseln genommen werden. wenn dann eine tageszeitung den geiselnehmer sprechen will. dann klingt das so:

Audio: das Interview

[ohne worte]








1 Kommentare zu 'Ein wunderschönes Stück Österreich ... '

[2006-09-30]

Zen und die Kunst ein Motorrad zu reparieren

[neuer Beitrag / 6 Beiträge bisher] gemein  motorrad ]

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Na, wie fühlt sich das jetzt an? Wie gehts dir mit dem Gefühl ein Motorrad zu haben. Feine Sache, oder? Bist Du schon viel damit gefahren? Ja, ich weiß der Auspuff hat ein Loch. Das ist übrigens gleich nach dem Krümmer, am Übergang zum linken Endtopf. Sollte kein Problem sein das wieder dicht zu kriegen. Ich weiss ja nicht wie geschickt du in solchen Dingen bist, und vor allem wie geduldig Du bist. Ich hoffe sie macht Dir sonst keine Probleme.

Ich habe dieses Bike im letzten Sommer von einem Freund übernommen. So zusagen als eine Art Dauerleihgabe, fürs erste. Er wußte nicht mehr wohin damit. Sie stand schon zwei Jahre, tagaus tagein, vor seiner Tür im zweiten Wiener Bezirk. Gut getan hat ihr das nicht, das war klar. Irgendwann im September 2005 hab ich sie dort mit einem Anhänger bewaffnet abgeholt. Es war völlig klar, daß man nicht damit fahren können würde. Ich brachte sie zu meinen Eltern. Dort ist Platz dachte ich, dort kann ich mich den ganzen Winter damit spielen und bis zum nächsten April, bis zu den nächsten warmen Tagen wird sie topfit sein. Die gute Suzuki GSX, die 82er mit ihren 24 Jahren und ihren 70.000 Kilometern.

Ich hab zunächst mal versucht sie einfach zu starten. Um zu sehen wo man ansetzen muss. Es war auch für mich das erste Mal ein so altes Motorrad wieder in Betrieb zu nehmen. Es gelang mir sie zu starten. Wenn auch immer nur sehr kurz. Und nur mit Hilfe einer ganzen Dose Starthilfe Spray. Sie machte furchtbare Geräusche. Ich fand recht schnell heraus, daß sie eigentlich nur auf 3 Zylindern lief. Gelegenhtlich auch nur auf zwei. So brachte das natürlich nichts. Man mußte das also grundsätzlicher angehen. Ein wenig hatte ich ja schon gehofft, daß es mit einem einfachen Ölwechsel und neuen Kerzen getan sein könnte. Eine gute Freundin hat mir bei diesen ersten Versuchen geholfen. Wir waren für solche Sachen ein recht gutes Team. Ein paar Jahre vorher reparierten wir gemeinsam den Motor eines alten Mercedes. Der fährt noch immer wie sie mir gerade erzählt hat.

Ich machte mich gleich an diesem Wochenende daran sie zu zerlegen. Zunächst mal das Grobe. Also mal zugänglich machen und überlegen welche Teile man sowieso nicht mehr gebrauchen kann. Ich sortierte also mal die wesentlichen Gebrauchsgegenstände aus und fertigte mir eine Liste von zu besorgenden Teilen an. Die Liste wurde gar nicht so lang, wie man vielleicht befürchten könnte: Batterie, Motoröl, Zündkerzen, Kerzenschuhe, Luftfilter (das wurde schwieriger, aber dazu später) Bremsflüßigkeit, Bremsbeläge für Vorne (das wurde auch noch komplizierter, aber das kommt auch noch später), Glühlampen und Sicherungen. Ich betrachtete die Bremsschläuche und hekte einen heimlichen Plan aus. Dafür wollte ich was besonderes haben. Dann gab es eine zweite Liste die klärte was eigentlich alles getan werden musste. Und es konnte los gehen.

Ich begann damit die wesenlichen Teile abzunehmen. Die Räder auszubauen, das Gerät auf eigene Ständer zu hiefen und überlegte was wohl die richtige Reihenfolge sein würde. Ich wolle mich als erstes mit dem Motor selbst beschäftigen. Ich hatte Angst davor, daß es dafür noch weitere Ersatzteile brauchen würde, die ich so einfach nicht bekommen würde und ich wollte rechtzeitig bestellen können. Der 1. April war mein Stichtag. Bis dahin wollte ich fertig sein.

Ich begann also damit den Motor aufzumachen. Ich wusste das er funktionierte als sie zwei Jahre vorher abgestellt worden war. Ich war mir sicher, dass es nur ein Problem von Schmutz Verklemmung und/oder was ähnliches sein konnte. Als ich das Öl abließ um die entsprechenden Deckel abnehmen zu können wurde mir ja beinahe übel. Das sah gar nicht mehr nach Motoröl aus. Es war eine dickflüssige Pampe. Ich konnte mir nicht vorstellen, daß das noch die geringste Schmierwirkung haben konnte. Ich entsorgte das Altöl und dachte mir, "von nun an gehts dir besser, glaub mir, sowas passiert dir nicht mehr". Dann nahm ich den Ventildeckel ab. Das war auch nicht gerade ein schöner Anblick. Vier Ventile von den Acht waren schon festgefressen. Die Schrauben ließen sich nicht mehr lockern. Ich dachte mir, dass wird wohl der Grund sein, warum sie einfach nicht mehr läuft. Also hab ich mich mal eine Nacht lang damit gespielt, die Ventile wieder locker zu kriegen. Das hat letztlich auch funktioniert. Das Einstellen selbst war dann gar nicht mehr so schwierig. Nach dem ersten Wochenende waren die Ventile wieder in einem Halbwegs brauchbaren Zustand fand ich. Ich war mehr als Zufrieden.

Der zweite wesentliche und schwierige Teil neben den Ventilen waren die Vergaser. Kennst Du das Thema? Vergaser und Suzuki ... daran beissen sich gute Mechaniker die Zähne aus. Die richtige Luftmenge, die richtige Einstellung ... und dann noch konstant bleiben in allen Temperaturen. Das ist was richtig schwieriges.
Die 82er GSX hat artig vier Vergaser für ihre vier Zylinder. Ein Spass, dachte ich mir. Ich hatte sie ja schon vor den Ventilen abgenommen und begann nun damit sie zu zerlegen und zu reinigen. Das waren alles Dinge die ich schon mal gemacht hatte. Es war nur immer so umständlich diese alten Schrauben zu öffnen ohne dabei die eine oder andere abzudrehen. Das wär furchtbar gewesen, ist aber den ganzen Winter kein einziges Mal passiert. Ich hab die Vergaser eigenhändig zerlegt und gereinigt. Mit einem Wattestäbchen hab ich sie innen wieder sauber bekommen. Die Kolben flutschten nur so durch. Die Schwimmer waren wieder ganz gelöst. Sah gut aus, ich hatte große Freude damit. Ich tauschte noch das Motoröl und die Kerzen und baute die Vergaser wieder ein. Ein guter Feund, Mechaniker und Biker half mir bei diesen schwierigen Sachen. Der hatte eine rießige Freude damit. Es ging ihm wie mir. Wir machten also die ersten Startversuche. Nach ca. einer halben Stunde hatten wir sie soweit. Die ersten Benzintropfen schafften den Weg durch die Vergaser in den Motorraum und die ersten Anzeichen von Leben kehrten in die Suzuki zurück. Dazwischen merkten wir noch, daß so ziemlich alle Kunststoffschläuche porös, brüchig und kaputt waren. Wir tauschten sie aus. Die Vergaser hatten dadurch an falschen Stellen Luft angesaugt. Danach ging alles recht schnell. Und das Austauschen aller Schläuche hatte nur einen halben Tag gedauert. Sie lief. Unrund und gar nicht ruhig, aber schon bei weitem besser.

Die Einstellung der Vergaser mußten wir trotzdem vertagen. Irgendwas war da noch grob im Argen. Der zweite Zylinder - in der Zündfolge - wollte irgenwie nicht mitmachen. Nach langem hin und her mußte ich feststellen, daß die Zündspulen nicht gleichmäßig waren. Das war ganz schlecht. Zündspulen kann man einfach nicht reparieren, die kann man nur austauschen. Also ging ich, wieder in Wien, zu Suzuki und fragte nach. Nach einigen Diskussionen wurde schliesslich festgestellt, daß es in Deutschland noch einen Vertragshändler gab der die begehrten Teile lagernd hatte. ich bestellte sie und hielt sie vier Wochen später in Händen. Mittlerweile war Jänner geworden. Es war immer sehr kalt wenn ich weiter bastelte. Aber ich wollte pünktlich fertig werden mit Saisonbeginn. Es waren noch viele kleinere Dinge zu machen. Es waren Fehler in der Elektronik und im Kabelbaum. Ich mußte mehrmals den Lötkolben ansetzen um überall die Kriechströme los zu werden. Die Gabel baute ich aus und tauschte das Kopflager aus. Das ist ein Standardtask der geht recht einfach. Die Gabelholme selbst hab ich auch auseinander genommen. Ich wollte das Öl tauschen um wieder ein schnelles Fahrwerk zu kriegen. Eigentlich war das Fahrwerk der GSX immer ziemlich gut. Aber steifes Öl verhindert einfach ein schnelles Reagieren der Gabel und das ist recht wichtig. Die Bremsflüssigkeit tauschte ich ebenfalls aus. Bei der Gelegenheit vergönnte ich dem Bike zumindest für den oberen Teil Stahlschläuche um einen besseren Druckpunkt in der Bremse zu haben. Schönes Gefühl ... Schon mal eine Motorradbremse entlüftet ... ? Eine ziemliche Spielerei kann ich nur sagen. Ich hatte noch ein weiteres größeres Problem. Beim Schaltsimmering trat Öl aus. Ich konnte den Simmering selbst tauschen. Es war zwar einen Tag Spielerei aber ich hab es geschafft. Eigentlich braucht man dazu ein Spezialwerkzeug von Suzuki ... Es ging auch ohne, mit viel Geduld.

Schliesslich waren die Zündspulen angekommen und geliefert worden. Ich traf mich mit meinem alten Freund, denn nun sollte der Tag gekommen sein, die Vergaser in Betrieb zu nehmen. Wir bauten die Zündspule ein und versuchten zu starten. Sie lief! Kannst Du dir diesen Moment eigentlich vorstellen. Sie lief wieder auf allen vier Zylindern. Nach drei Monaten bastelei war es soweit. Ich war unglaublich Stolz auf mich. Weisst du, ich bin eigentlich Programmierer, ich bin nicht geübt in solchen Dingen. Es war kalt, es war Winter. Ich hab oft an der GSX geschraubt bis ich blaue Finger hatte. Ich war süchtig danach.

Wir stellten die Vergaser neu ein. Es gab noch immer ein Problem ... Die Suzuki lief nun zwar aber sie hatte im oberen Drehzahlbereich ein böses Loch. Wir schafften es lange nicht das richtig einzustellen. Mein Freund der mittlerweile Kinder und Familie hat mußte mich dann am Abend verlassen. Ich fuhr zu meinen Eltern und versuchte über Internet herauszufinden was hier eigentlich Sache war. Ich fand dabei einen entscheidenen Hinweis. Ich hatte aus der Suzuki den Luftfilterkasten entfernt und einen offenen K-N Filter montiert. Das sah einfach geiler aus. Aber durch den fehlenden Kasten wurde zuviel Luft angesaugt ... Das war das Problem. Ich fand einen schönen Hinweis wie das Problem behoben werden kann. Man muß mit festem Klebeband (Gaffa am besten) den Luftansaugekrümmer kleiner machen. Ich versuchte also den halben Krümmer abzukleben. Die Vergaser waren ja bereits nach Messgerät synchronisiert. Es könnte also einfach klappen. Und das tat es auch. Das Loch im Drehzahlverlauf war verschwunden. Natürlich alle Tests noch ohne Belastung. Sie war ja noch nicht wirklich zusammengebaut.

Es ging noch ans Fahrwerk. Das war tatsächlich schon der letzte Punkt. Ich baute Felgen und Achsen wieder zusammen. Ich hatte sie gut eingedieselt und gereinigt. Es flutschte alles wiede recht gut zusammen. Die Reifen waren alt und verbraucht, aber das wollte ich investieren wenn ich wieder mit ihr fahren konnte. Es sah alles super gut aus. Und es wurde warm ... langsam aber doch.
Ach ja, die Bremsbeläge hab ich noch neu gegeben. Das ist auch immer ein ziemliche Spielerei ... Aber da war ich schon in Übung, der Task war kaum der Rede wert.

Dann war es soweit. Es war im April, schweinekalt, aber ich wollte sie probieren. Mein alter Helm lag noch rum, auch sonst hatte ich eigentlich alles. Aus dem Dorf meiner Eltern raus gibt es eine kleine Steigung mit einer leichten links Kurve. Der Motor war schön warm gelaufen, weil ich ja die ganze Zeit noch an den Einstellungen schraubte. Sie war noch immer etwas unruhig und hatte kein gleichmäßiges Drehzahlband.

Ich fuhr aus dem Dorf raus, und gab vorsichtig Gas. Ein wahnsinnig cooles Gefühl. Die 82er GSX schnurrte unter mir. Nicht ganz gleichmäßig ... aber fast! Es war der reinste Wahnsinn, es war mein Traum gewesen.

Ich musste im Laufe des April noch sehr oft an den Vergasern rumschrauben. Irgendwann war es geschafft. Suzuki und Vergaser sind ein Kapitel für sich, aber es klappte schließlich doch. Ich hab noch eine Menge guter und sehr lieb gemeinter Tips erhalten. Von alten Freuden, Mechanikern die ich vorher nie gesehen hatte und in Werkstätten. Bezahlen mußte ich dafür nie. Ich war immer wieder in Suzuki Werkstätten. Es gab immer einen älteren Mechaniker der richtig große Freude hatte, mit meinem Bike. Meist war es der Besitzer der Firma selbst. Die GSX ist ein nun mal ein echter Klassiker und es gibt nicht mehr viele die noch funktionieren.

Das Fahrwerk dieses Bikes ist ein Hammer. Es ist knallhart und bockig ohne Ende. Man muß das Bike wirklich in jede Kurve reindreschen. Ich brauchte viel an Übung bis ich wieder richtig sicher wurde. Ich hatte alles vergessen. Ich hielt mich viel zu fest an den Griffen fest und hatte ständig Angst das sie weg rutschen könnte. Ich kaufte noch neue Reifen. Die weichsten die ich kriegen konnte. Wirkliche Sportreifen werden für das Bike gar nicht gebaut. Aber ich war sehr zufrieden mit den neuen Metzelern und es ging alles gleich wieder viel besser. Nach einer Reihe von Ausfahrten merkte ich wie ich damit aufhörte mich verkrampft festzuhalten. Wer soll dir denn dieses Bike auch wegnehmen dachte ich im Scherz, so fest brauchst du sie nicht zu halten. Sie rutschte immer wieder ein wenig, aber ich gewöhnte mich auch daran. Ich kann durchaus mit Stolz sagen, daß ich mit der guten GSX 82er Baujahr doch in so mancher Gruppe moderner Sportbikes gut mithalten konnte. Sie machte einfach Spass. Ich hatte das Gefühl dieses Bike eigenhändig aus der Versenkung geholt zu haben, sie in geduldiger Kleinarbeit in vielen Bereichen neu aufgebaut zu haben. Es war mein Bike, meine Suzuki, Die 82er GSX die überall bestaunt wurde. Mein Oldtmer, mein eigener, liebgewonnener kleiner Traum.

zen und die kunst ein motorrad zu stehlen

Hmm, wie lange hast du dafür gebraucht? Ich kann mir das richtig bildlich vorstellen. Ich glaub ja noch immer nicht, daß du das getan hast um dich zu bereichern. Du bist leicht betrunken vorbei gelaufen? Hat Dich Deine Freundin rausgeworfen? In der Wut hast du gegen das Vorderrad meiner Suzuki getreten. Was für ein Wunder Du starker Mann. Du hast es geschafft die Lenkradsperre eines 25 Jahre alten Bikes aufzutreten. Alle Achtung. Und dann? Dann ist Dir wohl der Gedanke gekommen, daß man sich damit noch ein wenig spielen könnte. Ich sags Dir ehrlich. Ich hab mal einen Schlüssel verloren von dem Bike. Da hab ich ca. 15 Minuten gebraucht um sie kurz zu schliessen. Und nein, ich hab dabei natürlich nichts kaputt gemacht. Das hast du wohl auch geschafft. Was für eine reife Leistung. Und dann? Bist du einfach losgebraust? Ist dir irgendwann Angst und Bang geworden, wegen dieser absolut blöden Aktion die du da gerade geliefert hast? Jetzt liegt sie wohl irgendwo herum, dieses Motorrad, daß Dir völlig egal ist und das ich so richtig gern hatte.
Wirklich verwenden wirst du das Bike nie können. Es gibt in Wien vielleicht noch drei oder vier dieses Types die noch gehen. Damit fällst du auf glaub mir. Also liegt sie jetzt irgendwo rum ... ?
Ich mach dir nen Vorschlag. Laß sie liegen und laß mir irgendwie zukommen wohin du sie geworfen hast. Ich würde sie dort gerne abholen. Ich werd sie schon wieder zum Leben erwecken können, auch wenn Du ihr weh getan hast. Mir liegt nämlich was an dem Bike ... im Gegensatz zu Dir, Arschloch.

links: www.1000ps.at/gestohlene



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[2005-11-07]

Einfältig und Staatstreu - Der Herr Direktor und das Recht

[neuer Beitrag / 2 Beiträge bisher] gemein  arti  politik ]

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Am 19. Oktober 2005 wurde der Prozess gegen vier AktivistInnen des VolXtheaters zuende verhandelt.

Nach vier langen Verhandlungstagen, nach mehr als einem Jahr Prozessführung sprach der werte Richter sein Urteil. Schuldig, nicht im Sinne der Anklage, aber schuldig. Die Aktion war keine Amtsanmaßung aber eine Täuschung im Sinne des Gesetzes. Die Urteile selbst vielen mehr als mild aus. Ein Prozess der als besondere Groteske in die Geschichte des Bezirksgericht Lambach eingehen darf.

Als ZeugInnen wurden SchülerInnen und LehrerInnen gehört, eine Journalistin, die Vorsitzende des Festivals der Regionen, zwei Kunstsachverständige und als besonderer Leckerbissen der Herr Direktor. Die Aussagen der SchülerInnen selbst waren dabei noch am klarsten. Die jüngsten Beteiligten an der Aktion waren wohl die einzigen die auf das Spiel nicht reinfielen. So ziemlich alle erklärten in ihren Aussagen, dass sie das Theater durchschauten. Sie wunderten sich über Haare und Kleidung der angeblichen WissenschafterInnen. Sie stellten die gesamte Aktion in Frage und hielten fest: “ ... Ich hab von Anfang an gedacht, dass es sich dabei um eine Theateraktion handelt, ernst genommen hab ich das nie ...”.

Tja, so fit und schnelldenkend die Kinder auch waren, so unverständlich verhielt sich das Lehrpersonal. Nicht nur während der Aktion, auch im Prozess selbst schafften sie es, Aussagen zu treffen die wohl eher zu einem Disziplinarverfahren führen hätten sollen als, zu einer Verurteilung der TheateraktivistInnen. “Was waren das für Fragen die an die Kinder gestellt wurden?” “Das weiss ich nicht, ich hab nicht zugehört, ich hab inzwischen mit den anderen Kindern weitergespielt ... ”. “Was passierte nach dem der Direktor in die Aula kam?”, wollte der Richter weiter wissen. “Nun, das weiss ich auch nicht. Mein Dienst endete um 12.00 Uhr, das war ja schon nach 12.00.” Aha, zugehört hat sie keinen Moment. Sie übergab uns die Klassenliste und damit war ihre Pflichterfüllung auch schon getan, und mit dem Ende der Dienstzeit sind die SchülerInnen gleich ganz allein. Die “Schulfremden Personen” sind zwar noch anwesend, und wir müssen sie auch verklagen, aber die werte Frau Professor hat das nicht mehr interessiert. Ihr Dienst endete an diesem Tag ja um 12.00 Uhr. Andere Lehrkörper haben das Spiel sehr wohl durchschaut. “ ... Ich hab mitgespielt und die Theaterleute aus dem Raum geworfen. ... wir hatten ja gerade einen Workshop ... ”. Im gleichen Raum, so will uns die Staatsanwältiin in ihrem Schlussplädoyer weismachen, wurden Kinder verängstigt und beinahe missbraucht. Und dieser Lehrer hat das einfach mitangesehen? Dem wurde nicht bewusst, was hier mit seinen armen Kinderchens passiert? Ach ja er war gar nicht allein. Es war noch eine zweite Lehrerin im Raum. Der ist das auch nicht aufgefallen. “ ... Die Kinder haben gelacht ...”, sagt sie aus. “... Sie haben sich amüsiert ...”.

Ein besonderer Leckerbissen war jedoch die dümmliche Kühnheit des werten Herrn Direktor. Mit richtiger Begeisterung hüpfte er während der Aktion und auch später im Prozess von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen. Bereits in seiner ersten Aussage, am ersten Prozesstag war er der Lacherfolg des Tages. Zu Beginn der Aktion gingen zwei VolXtheatermenschen in seine Kanzlei um ihn über die Aktion zu informieren. Ganz theatralisch natürlich. Es wurde ihm ein Schreiben vorgelegt, dass kurz zuvor stümperhaft hergestellt worden war. Es war eigentlich ein anderer Text, der einfach mit schwarzem Markerstift ein wenig umgestaltet wurde. Am Kopf des Schreibens fand sich eine äusserst schlechte Kopie des Staatswappens. Als Stempel diente eine Zwei-Euro Münze. Unterschrieben war das Papier, dass quasi den Befehl zur Biometrischen Datenerfassung enthielt, von einer Richterin namens Iris Scanner. Den Direktor hielt das alles nicht davon ab, an die Echtheit der Aktion zu glauben. Erst als ihm die Staatsanwältin das Papier erneut vorlegte und ihn nochmal fragte ob er das tatsächlich für glaubwürdig hielt musste er eingestehen, dass selbständiges Denken nicht zu seinen grossen Fähigkeiten zählt. Wir wären “absolut Glaubhaft” gewesen und hätten durch unser Auftreten alles getan um ihn davon zu überzeugen, dass es sich hier tatsächlich um eine Aktion des Amtes für biometrische Datenerfassung handle. Weder die schlechten Requisiten noch die Ausweisschilder mit Sonnenbrillen konnten daran rütteln. Der Direktor glaubte, was ihm vom scheinbar existierenden Amt diktiert wurde und er gefiel sich noch dazu dabei.

Weniger gefiel ihm jedoch die Art wie er von der Staatsanwältin befragt wurde. Er fühlte sich in seiner Funktion als Kronzeuge der Anklage nicht bestätigt. Natürlich sie hatte ihn auch ziemlich bloß gestellt. Sie fragte ihn, ob ihm denn nicht aufgefallen sei, dass hier von einem Paragraphen 00 geschrieben werde. Und weil er darauf wieder nicht antworten konnte fügte sie hinzu: “Selbst einem Nichtjuristen wie ihnen müsste es doch bekannt sein, dass es einen Paragraphen 00 nicht geben kann”. Das musste Folgen haben wie wir am letzten Verhandlungstag bei einer weiteren Einvernahme des Direktors mit staunenden Ohren verfolgen durften. Weil die Staatsanwältin unangenehme Fragen gestellt hatte, schrieb ihr der Direktor einen persönlichen Brief. Er wollte sie darauf aufmerksam machen, dass er ein Zeuge der Anklage sei und wohl mit gebührenden Respekt von ihr behandelt werden wollte. Dass das im Sinne eines bürgerlichen Gerichts nicht im geringsten zu ihren Aufgabe zählt war ihm einfach nicht bekannt. Muss es ja auch nicht, was weiss schon ein Schuldirektor.

Ein Resumee ist schwer, vielleicht dieses: Wenn ich um unser schlechtes Auftreten nicht selbst Bescheid wüsste, wenn ich nicht wüsste, dass Requisiten wie der Irisscanner aus einer schwarzen Schachtel und einer aufgeklebten Taschenlampe bestanden, wenn ich nicht dabei gewesen wäre, wie den SchülerInnen völlig irrelevante Fragen gestellt wurden ... Wenn ich das alles nicht selbst gesehen hätte, dann würde ich wohl davon ausgehen, dass diese Aktion hervorragend geplant und durchgeführt wurde. Tja, so ist es aber nicht, und bis heute frag ich mich wie es ein derartiges Maß an Machtgläubigkeit, vorauseilendem Gehorsam und einfacher Dummheit geben kann, an einer Schule, unter den Lehrkräften.

In seiner letzten Aussage bringt es der Herr Direktor noch einmal auf den Punkt. “Diese Leute haben unsere Einfältigkeit und unser Staatstreue ausgenützt”. Ja Herr Direktor das haben wir getan, sie haben zwei Jahre gebraucht um das auch nur halbwegs verstehen zu können und nun wären sie gut beraten darüber nochmal in aller Stille nachzudenken.



lambach.volxtheater.at

2 Kommentare zu 'Einfältig und Staatstreu - Der Herr Direktor und das Recht'

[2005-07-20]

wien wird eine richtige stadt

[neuer Beitrag / wien  gemein ]

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ja, jetzt ist es soweit. waehrend in anderen staedten die diese bezeichnung auch verdienen das leben immer auch auf der strasse stattfand, war das in wien defakto unmoeglich. aber langsam kommt schwung in diese stadt ...

auf der mariahilferstrasse nachmittags entlang zu spazieren, mag fuer viele zeitgenossInnen ein alptraum sein. fuer mich ist es etwas ganz wunderbares. ich liebe diesen raum in dem die menschen sich nur bewegen um ihren hobbies nachzugehen. in diesem fall shopping. und jetzt gibts endlich auch gluecksspiel!
in quito, rio oder istanbul kann man auf der strasse gegen profis backgammon spielen, wuerfeln oder sich mit kartentricks das geld aus den taschen ziehen lassen. in wien gabs das nie ... langweilige provinzstadt eben. sicher kennen alle dieses kleine spielchen mit der kugel und den drei huetchen. flinke finger lassen die huetchen herumwirbeln und dann soll jemand wetten unter welchem der huetchen nun die kugel versteckt ist. natuerlich ist das beschiss. es wuerde ja sonst niemand anbieten ;). aber die wiener und wienerinnen sind ein gefundenes fressen dafuer.
mal nur zusehen hab ich mir gedacht. ich kenn doch den trick, der ist doch rund um den globus der gleiche. eigentlich wird staendig beschissen. gelegentlich wird dann recht offen gespielt, so dass sicher jemand eine richtige antwort parat hat und vor den augen der verbluefften zuschauerInnenschar innerhalb von ein paar minuten 200 oder 300 euro gewinnt. jaja, echt, die spielen dieses spiel um 100euro scheine ...
also schau ich kurz zu und hab das gefuehl, ich weiss ganz genau wo die kugel ist. drei mal lieg ich falsch. drei mal haett ich einfach zahlen muessen. das waren wohl die beschissrunden. ich steige ein in das spiel. ich war mir voellig sicher, dass jetzt die runden kommen wo ich gewinnen muss. das publikum hat zwischenzeitlich wieder gewechselt und unser gluecksspielheld war sehr daran interessiert das jetzt jemand gewinnt (damit er nachher wieder abzocken kann). ich wette um 100 euro. ich seh die kugel ganz deutlich und kann einfach das huetchen in dem sie versteckt ist verfolgen. gelassen deute ich auf das mittlere huetchen. er lueftet es und siehe da, das kuegelchen ist tatsaechlich drunter. mit betonter gelassenheit ueberreicht er mir 100 euro. ich spiele weiter. die zweite runde war ein wenig schwieriger. ich bin unsicher, aber ich hab ja meinen einsatz bereits gewonnen .. easy to do ... das rechte huetchen ist es, ich bin nicht sicher, aber ich deute einfach drauf. ist ja eh egal. wollt ja nur schauen wie er versucht mich zu bescheissen. das rechte huetchen wird gelueftet. das kuegelchen kommt zum vorschein. hehe, nochmal 100 euro gewonnen. was fuer ein tag ;)

die naechste runde. wieder ziemlich unsicher. aber ich entscheide mich schnell fuer das huetchen in der mitte. uuuuund yea. wieder gewonnen. hmm, 300 euro in vielleicht 2 minuten. das ganze muss schnell gehen. ich spiele noch 2 runden. mache einen fehler muss 100 euro wieder hergeben und gewinne schliesslich noch einmal. 300 euro in der tasche. was fuer ein nachmittag. cool, oder eigentlich voll halbweges (wie mir meine nichten erklaerten, damit ich nicht mit diesem uncoolen begriff cool der welt erklaere wie wenig halbwegs ich bin).
ich verlass den ort des geschehens. ich hab gewusst, dass ich das kann. ich kenn seinen trick (hat mir mal ein ganz aehnlicher typ in la paz verraten und offensichtlich funktioniert das echt ueberall gleich) hehe, was fuer ein nachmittag ...

naja, getraut hab ich mich natuerlich nicht, und die 300 euro hat ganz wer anderer gewonnen ... aber wien wird ne richtige stadt ... ;))



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